Mittwoch, 5. März 2014

Zu Puls4 Pro/Contra vom 03.03.2014:


http://www.puls4.com/video/austrianews/play/2377404



Am Montag 03.03.2014 diskutierte ich mit BM Mikl-Leitner, GD Kogler und Generalsekretär Vilimsky in der Sendung Pro und Contra auf Puls4 zum Thema Schließung von 138 Polizeiinspektionen. Die „Reformer“ verstrickten sich in Wiedersprüche und konnten keine klaren Antworten geben.

Kriminalität

GD Kogler führte das Sinken der Kriminalität ins Treffen. „Never change a winning team“: Der Rückgang vom absoluten Höchststand wurde mit der derzeitigen Dienststellenstruktur erreicht. Wobei der viel zitierte Rückgang nur für einen kurzen Zeitraum gilt. Gibt es doch in Österreich um 100.000 Straftaten mehr als 1991 (siehe Grafik Statistik Austria). Interessant, die absoluten Zahlen der Aufklärung waren in den letzten Jahren einigermaßen konstant, sprich die Aufklärungsquote sank, wenn mehr Straftaten begangen wurden.


Ein Zeichen dafür, dass einfach zu wenig Polizistinnen und Polizisten eingestellt sind. Als Beispiel werden die 300 der Steiermark zugesicherten zusätzlichen PolizistInnen die durch Abgänge und Zuteilungen nie zur Verfügung standen genannt.

Versprechen ohne Zieldefinition

BM Mikl-Leitner wiederholte sich mit ihrem Versprechen mehr Sicherheit bieten zu wollen. Da diese Reform keine verbindlichen Ziele festlegt, wird das Versprechen schwer überprüfbar bleiben. Überhaupt, schien sie in Details wenig kenntnisreich wie die Behauptung dass alle Rettungsautos ausschließlich vom Stützpunkt aus zu den Einsätzen fahren zeigt. Hier ist das Rote Kreuz der Polizei mit den Landesleitstelle fast um ein Jahrzehnt voraus. Dass diese Reform ausschließlich auf Basis einer Expertise erstellt wurde hält einer genauen Überprüfung nicht stand, behaupten doch LH Voves und LH Stv. Schützenhöfer die Schließung von 12 PI’s politisch verhindert zu haben. Da passt auch ins Bild, dass die Kriterien und damit die Entscheidungsgrundlage welche PI‘s geschlossen werden nicht transparent auf den Tisch gelegt wurden. Eine Antwort warum z.B. die PI Vordernberg (Gemeinde mit 1000 EinwohnerInnen) bestehen bleibt war deshalb nicht möglich.

Einzig die Gewährleistung von zukünftig ausschließlich Zweierteams auf Streife blieb als Argument für PI Schließungen über. Dem pflichteten alle Diskutanten mit dem Hinweis auf bereits andauernd fehlende Besetzungen bei. Auch damit wird klar, ein mehr an Streifenpräsenz wird es nicht geben. Wenn aktuell in zwei Dienststellen mit 5 bzw. 3 PolizistInnen alle alleine auf Streife gehen wird sich nach PI Fusionierung bei größerem Gebiet und doppelter Besetzung der Streifendienst halbieren. Wobei in Anbetracht der Tatsache, dass bei Gewalt- und Vermögensdelikten kaum TäterInnen in flagranti erwischt werden, mehr Streifenpolizei lediglich mehr an Verkehrssicherheit erreichen kann.
 

Steuergeld

Die Aussage der Ministerin: „Mit dieser Reform spare ich mir kein Geld“, stimmt, als es sich ja um Steuergeld handelt. In Anbetracht einer Milliarden schweren Belastung für die Steuerzahler nach dem aktuellen Steuerparket sollte aber am Ende einer Reform auch deren Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden. Rücklagen des Ministeriums: Das unsere Ministerien Rücklagen bilden können überrascht. Der Beitrag des BMI in der Höhe von einmalig 38 Mio. Euro zur Budgetkonsolidierung durch das Innenministerium (ca. 1,8 % des Resortbudgets) ist im Vergleich zur erwähnten neuen Steuerbelastung (€ 2.500,-/Familie und Legislaturperiode) eigentlich gering.

Zusammenfassung

Ob diese Reform mehr Sicherheit bringt konnte nicht glaubhaft dargestellt werden, mit Sicherheit bleibt von ihr aber der unangebrachte Stil und das fragwürdige Konzept, Kritiker werden als Heuler dargestellt und die Betroffenen nicht eingebunden, über. Zudem ist diese Politik nach „alter Schule“ Wasser auf den Mühlen der Demagogen. Die Abgegebenen Versprechen scheinen nicht haltbar zu sein.
Eine offenen Debatte unter Einbindung aller Betroffener und gemeinsamer Zielsetzung mit anschließender Expertise hätte Österreich wirklich sicherer gemacht und auch ausgabenseitig Steuergeld und die verständliche Kritik gespart.