Es ist zu verstehen, dass die Griechen die etablierten Parteien in der Wahl abgestraft haben. Dass sie damit ihrem Land einen Bärendienst erweisen ist das Dilemma großer Massen an WählerInnen die mit ganz persönlichen, durchaus verständlichen, Wahlmotiven strafen. Nun, wenn das die Demokratie aushält und eine europäische Pakttreue bleibt, sei es drum.
Nicht nur der griechische Staat hat über seinen Verhältnissen gelebt, auch die BürgerInnen. Wenn Europas Linke zu Recht anmerkt, dass jetzt kein Cent der Rettungsgeldern den Griechen bleibt, sondern „nur“ über Griechenland in europäische Großbanken fließt so vergessen sie einen wesentlichen Punkt: Das Geld ist schon einmal über Staatsanleihen nach Griechenland geflossen.
Die Krux an der Sache: die Banken hätten längst wissen müssen, dass sie auf ein finanziell schwaches Land setzen. Den einfachen Griechenlandbesuchern war das seit Jahren klar. Nur, was ist die Alternative? Letztlich haben die Banken ja das Geld der europäischen BürgerInnen verliehen, und wir wissen längstens seit Bawag und Hypo Alpe Adria: wenn der Staat nicht einspringt steht es Spitz auf Knopf und die SparerInnen könnten um ihr Geld umfallen. Stell dir vor, der Bankomat gibt dir plötzlich kein Geld? Das würde die Demokratie nicht lange aushalten. Leider fehlt auch echte Solitarität, sonst würden als Antwort auf die Krise Investitionen in Griechenland erfolgen anstelle einer versteckten Bankenrettung für europäische Großbanken. Leider war Solitarität nicht einmal gestern.
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